Um diesen „Sommer“ bestehen zu können, waren gute Bücher besonders unverzichtbar. Sich mit Lesestoff ab und an in eine Ecke zu verkriechen war bestimmt nicht die schlechteste Entscheidung. Den Stapel der in den Sommermonaten gelesenen Bücher durchsehend, finde ich im Rückblick folgende Titel besonders empfehlenswert:
Nii Parkes, „Die Spur des Bienenfressers“. Roman, Unionsverlag, 2010, kt., 220 S., 16,90 €.
Eine Krimi-Entdeckung. Gerichtsmediziner Kayo wird in ein abgelegenes Dorf im Hinterland Ghanas entsandt, um einen seltsamen Leichenfund aufzuklären. Da die Geliebte des Ministers in diese Geschichte verwickelt ist, sollen die Ermittlungen mit besonderer Diskretion geführt werden.
Ein spannender und humorvoller Krimi, der sich zwischen Tradition und Moderne des heutigen Afrika hin und her bewegt.
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Urlaubszeit: Endlich einmal viel Zeit zum Lesen und gleich das perfekte Buch zur Hand.
Einen Roman über amerikanische Geschichte des 20.Jahrhunderts, geschildert am Schicksal eines Mannes, der 1903 geboren wird, und jetzt, als über Hundertjähriger, sein Leben rückblickend aufrollt:
Glenn Taylor, „Die Ballade von Trenchmouth Taggart“. Nagel & Kimche Verlag, geb., 19,90 €.
Bereits als Baby entgeht Trenchmouth nur knapp dem Tod, und daran wird sich im Prinzip nichts ändern. Nur ein Rückzug in die Natur, ein Leben mit den Gegebenheiten der Jahreszeiten, unterbricht den Kreislauf aus Gewalt und Rache, in den er bereits als Jugendlicher geraten ist. Poetisch und mitreißend erzählt.
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Vampirromane hatten in den letzten Jahren Hochkonjunktur. Hier hat sich ein kaum noch zu überblickender Bücherberg aufgetürmt, der unverdrossen weiterwächst. Die Spitze dieses Berges aber bildet ein Buch, das einem mit seinem englischen Humor und einer verblüffenden Geschichte auch mit diesem Genre versöhnt:
Matt Haig, „Die Radleys“. Kiepenheuer und Witsch, geb.,
424 S, 19,95.
Die Radleys sind eine Familie altehrwürdiger Vampire, die sich in ein englisches Städtchen zurückgezogen haben, um an einem Programm für abstinente Vampire teilnehmen. Sie ernähren sich von rohem Fleisch und Rotwein, Milchprodukten und anderen proteinhaltigen Speisen. Ihre Kinder wissen nichts von ihrer Herkunft bis zu dem Augenblick, als Töchterchen Kate in Notwehr zubeißt. Von der Erkenntnis getrieben, dass ein Tröpfchen Blut ab und an dem Wohlbefinden durchaus bekömmlich ist, droht ihre bürgerliche Fassade einzustürzen. Sehr spannend und mit beißendem Witz erzählt, verfolgt man als Leser den Kampf der Radleys um ihr Seelen- und Familienheil.
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Ziemlich schräg, turbulent und komisch ist auch die Geschichte zweier Brüder aus Bulgarien von
Alek Popov, die in „Die Hunde fliegen tief“, dtv, sich fünfzehn Jahre nach dem Tod ihres Vaters in New York wiedersehen. Während Ned in den Topetagen der Wallstreet ein großzügiges Auskommen findet, kann sich Ango als Hundeausführer gerade so über Wasser halten. Das Einzige, was beide verbindet, ist die Urne mit der Asche ihres Vaters, der als Professor für Mathematik in Nordamerika gearbeitet hat. Und eben jetzt findet eine Gedenkveranstaltung zu Ehren ihres Vaters statt, wobei beide feststellen müssen, dass der Geist ihres Vaters mehr als lebendig ist.
Gleichzeitig ergeht an Ned der Ruf, ein in seiner alten Heimat Bulgarien marodes ehemaliges Staatsunternehmen wieder aufzubauen.
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Eine moderne Satire auf die Glückssucher dieser Welt ist ebenso der Roman von
Tilman Rammstedt „Der Kaiser von China“, bei dem der Enkel über den Tod seines Großvaters hinaus versucht, ein altes Versprechen einzulösen. Sehr poetisch, amüsant und kurzweilig. Rororo
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Wer mit den Büchern um „Der Räuber Hotzenplotz“, „Das kleine Gespenst“ oder „Die kleine Hexe“ aufgewachsen ist, für den ist der Band mit autobiographischen Geschichten von
Otfried Preußler „Ich bin ein Geschichtenerzähler“ eine Fundgrube zum Thema alter Erzählkunst. Er schlägt einen weiten Bogen von den Erzählkünsten seiner Großmutter, den Streifzügen seiner Kindheit, den volkskundlichen Forschungen seiner Eltern bis zu seiner Gefangenschaft in russischen Lagern, seiner Zeit als Lehrer in Oberbayern und der Entstehung und Veröffentlichung seiner Kinderbücher.
Ein schönes, lebenskluges und Mut machendes Lesebuch. Thienemann Verlag
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Dagmar Röhrlich hat ein Buch über das Leben in der Tiefsee geschrieben mit dem Untertitel
Von Schwarzen Rauchern und blinkenden Fischen.
Darin beschreibt sie den aktuellen Stand des Wissens über unsere Meere und erzählt zugleich wie alles angefangen hat. Wir begleiten Auguste Picard bei seiner Rekord-Tauchfahrt 1960 und die Challenger Expedition bei ihrer Forschungsreise 1873 bis 1876. Hier wurden viele Methoden zur Erforschung der Tiefsee zuerst entwickelt, die heute immer noch gültig sind. Natürlich hat die moderne Technik gerade nach dem Zweiten Weltkrieg dem Ganzen noch einen gehörigen Schub verliehen, viele neue und faszinierende Einsichten in die Mechanismen des Lebens in der Tiefsee sind dazugekommen. Es wurden Lebensformen entdeckt, die mit unseren bisher bekannten Vorstellungen von der Entstehung des Lebens nun wirklich nicht mehr ganz so viel zu tun haben. Leben befindet sich praktisch an jeder noch so unwirtlichen Stelle unseres Planeten.
Die gewonnenen Erkenntnisse verdeutlichen aber auch unmissverständlich, das der Raubbau an der Natur den ganzen Planeten an seine Grenzen bringt oder schon längst gebracht hat.
Dieser schön gestaltete und liebevoll illustrierte Band ist ein interessantes und großes Lesevergnügen für Jugendliche und Erwachsene. Mare Verlag
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Gerade erschienen, gehört hier noch ein Buch hinein, ein Krimi der besonderen Art.
Besonders deshalb, weil er eher klassisch erzählt ist, ohne Gemetzel auskommt, also ein eher literarischer Krimi in der Tradition Dürrenmatts ist, klar und unaufdringlich erzählt, mit einer wohltuenden Dosis augenzwinkerndem Humor.
Hansjörg Schneider erzählt in
Hunkeler und die Augen des Ödipus vom Verschwinden eines angefeindeten Theaterintendanten, der mit seinen radikalen Inszenierungen die gute Basler Gesellschaft zum wiederholten Male gegen sich aufgebracht hat. Dabei weiß Kriminalkommissar Hunkeler gar nicht, ob er den Fall noch zu Ende bringen kann oder will, denn er steht kurz vor seiner Pensionierung.
Bei seinen Ermittlungen im Dreiländereck Schweiz, Frankreich und Deutschland lernt er die Gesetzmäßigkeiten des Hafenlebens besser kennen als ihm lieb ist, denn der besagte Theatermann ist zuletzt auf seinem Hausboot gesehen worden. Womöglich befindet sich dieser bereits am Grund des Rheins? Diogenes Verlag
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Viel Spaß beim Lesen, vielleicht bei schönem Herbstwetter, wünscht Ihnen, liebe Leserinnen und Leser
Martin Lösch
P.S. Der BücherHerbst steht uns ja noch bevor mit dem Schwerpunktthema „Argentinien“
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